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Die Schweinegrippe erreicht womöglich die Bundesrepublik: Drei neue Fälle registrierte das Robert-Koch-Institut in Süddeutschland. In Neuseeland und Israel bestätigten sich mehrere Verdachtsfälle. Die Erkrankten sind in Quarantäne.

RKI-Präsident Jörg Hacker teilte am Dienstag in Berlin mit, dass die drei Fälle in Süddeutschland registriert wurden. Die Proben seien inzwischen beim Institut eingetroffen. Die Erkrankten seien teils im Krankenhaus, teils zu Hause in Süddeutschland isoliert worden. Zwei der Betroffenen gehe es “recht gut”.

Zudem sei bei beiden die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie an Schweinegrippe erkrankt seien, sagte Hacker. Es handele sich um ein Ehepaar, das in Mexiko Urlaub gemacht habe. Die Frau habe leichte Symptome gezeigt, der Mann sei zur Sicherheit mituntersucht worden.

Bei dem dritten Patienten besteht nach Angaben des Staatssekretärs im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, der Verdacht, dass er an einer Grippe vom Typ Influenza A erkrankt sei. Ob es sich aber um den spezifischen neuen Erreger handele, sei noch völlig offen. Ergebnisse der Untersuchung seien frühestens am späten Abend zu erwarten.

Bei den beiden zuvor untersuchten Verdachtsfällen in Bielefeld sei der Verdacht auf Schweinegrippe endgültig ausgeräumt, so Hacker. Er sagte allerdings auch, grundsätzlich sei mit Schweinegrippe-Fällen in Deutschland zu rechnen.

Gesundheitsstaatssekretär Schröder betonte, es würde sich zunächst nur um Einzelfälle handeln, die schnell diagnostiziert und wohl auch erfolgreich behandelt werden könnten. Besorgnis erregend sei es, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden könne. Insgesamt gebe es aber in Deutschland “keine konkrete Bedrohung”. Schröder teilte mit, dass sich im Schnitt 9000 deutsche Touristen in Mexiko aufhielten.

Hacker sagte, das Virus habe das Potenzial einer weltweiten Ausbreitung. Auch die Begrenzung auf einzelne Weltregionen sei aber möglich. Es handele sich um ein neues Virus, dessen Erbgut sich auch weiter verändern könne. Schröder berichtete, in Deutschland könnten bei einer Verschärfung der Lage sofort Krisenstäbe eingerichtet werden.

In Neuseeland sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens elf Menschen an der Schweinegrippe erkrankt. Damit erreicht die gefährliche Krankheit den asiatisch-pazifischen Raum. Auch in Israel bestätigte sich ein Verdachtsfall. Tests hätten ergeben, dass ein kürzlich aus Mexiko zurückgekehrter Mann infiziert sei, berichtete der israelische Rundfunk.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt befürchtet ein weltweites Umsichgreifen der Schweinegrippe. Der “Bild-Zeitung” sagte sie: “Dieses Risiko kann heute niemand genau kalkulieren. Es kann eine weltweite Grippewelle geben. Ich mache mir Sorgen, hoffe aber, dass meine Sorgen grundlos bleiben.” Sie fügte hinzu: “Wir sind gut vorbereitet. Bund und Länder, Ärzte, Krankenhäuser und Rettungsdienste wissen genau, was sie im Ernstfall zu tun haben. Es gibt einen ausgearbeiteten Pandemieplan, der auch funktioniert, wie die Abstimmung der letzten Tage zeigt.”

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöhte wegen des erheblich verschärften Risikos für eine weltweite Ausbreitung der Krankheit ihre Alarmstufe. Ab sofort gelte Alarmstufe 4 statt bisher Alarmstufe 3, sagte der amtierende WHO-Generaldirektor für Gesundheitssicherheit und Umwelt, Keiji Fukuda, am Montagabend in Genf nach einer Sondersitzung einer Expertengruppe.

Alarmstufe 4 heißt, dass ein neues Grippevirus von Tieren auch Menschen infizieren kann und von Mensch zu Mensch übertragen wird. Bei der höchsten Stufe 6 wird von einer weltweiten Ausbreitung des Virus, also von einer Pandemie ausgegangen.

Die Verschärfung betrifft das mutierte Schweinegrippevirus vom Typ H1N1. Die Behörden in den einzelnen Ländern sind angewiesen, eng mit der WHO zusammenzuarbeiten, damit die weitere Ausbreitung verhindert wird. Die WHO empfiehlt derzeit keine Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen, teilte die Organisation auf ihrer Website mit. Wenn möglich sollten aber Reisen in gefährdete Gebiete vermieden werden. Es gehe grundsätzlich keine Gefahr vom Genuss gekochten Schweinefleisches und Produkten aus Schweinefleisch aus, hieß es weiter.

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