Dutzende Tote in Mexiko, Verdachtsfälle in den USA und Neuseeland: Die Angst vor einer Ausbreitung der gefährlichen Schweinegrippe wächst. Deutsche Flughäfen bereiten sich nun auf heimkehrende Mexiko-Touristen vor, Russland gab eine Reisewarnung heraus.
Mexiko-Stadt/Berlin - Der Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko hat die europäischen Behörden alarmiert. Die Krankheit werde von Experten der Europäischen Union “sehr genau” verfolgt, sagte eine Kommissionssprecherin am Sonntag in Brüssel. “Bisher wurde aber noch kein Fall gemeldet.” Auch Deutschland rüstet sich für den Fall, dass das gefährliche Virus eingeschleppt wird.
Das Risiko für Deutschland sei noch nicht zu bewerten, bekräftigte das Robert-Koch-Institut am Sonntag in Berlin. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher verwies auf die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass der Erreger zu einer Pandemie - also einer weltweiten Epidemie - führen könnte. Allerdings habe die WHO noch keine höhere Warnstufe ausgerufen.
Die mexikanische Regierung hatte am Wochenende drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung der tödlichen Grippewelle verhängt, an der bereits mehr als 1300 Menschen erkrankt und mehr als 80 gestorben sind.
Das Besondere an der Krankheit ist der neuartige Erreger, der Influenzaviren vom Schwein, von Vögeln und vom Menschen verbindet und gegen den es keinen eigenen Impfstoff gibt. Besorgt sind Experten vor allem, weil das Virus A/H1N1 offenkundig nicht nur vom Schwein zum Menschen, sondern auch von Mensch zu Mensch übertragen wird.
Bund und Länder stimmten am Sonntag einheitliche Empfehlungen ab, wie man mit Verdachtsfällen umgehen solle. “Wir sind im Gespräch mit den Bundesländern, um Empfehlungen für Flughäfen zu geben”, so Glasmacher.
Die Fluggesellschaften seien bereits grundsätzlich auf den Ausbruch von Infektionskrankheiten vorbereitet, ebenso die zuständigen Gesundheitsämter vor Ort. Nun gehe es darum, Empfehlungen speziell für den Umgang mit dem neuen Erreger abzugeben und zu vereinheitlichen.
Alarmplan am Münchner Flughafen
“Allerdings sind bestimmte Situationen nicht bis ins Detail planbar”, betonte Glasmacher. Für eine Prognose, wie sich die Schweinegrippe entwickeln werde, sei es noch zu früh. “Es ist zu wenig über die Situation bekannt”, sagte sie und warnte auch davor, Horror-Szenarien herbeizureden. Die Entwicklung eines spezifischen Impfstoffs gegen ein neues Grippevirus dauert in der Regel Monate. “Einen Impfstoff kann es natürlich bei einem neuen Virus nicht geben.” Nach ersten Tests der US-Seuchenkontrollbehörde CDC spricht das mutierte Schweinegrippevirus auf Grippemedikamente der neuen Generation an.
Eine Reisewarnung für Mexiko gibt es zunächst nicht, wie das Auswärtige Amt am Sonntag bekräftigte. Die Botschaft in Mexiko und ein Regionalarzt beobachteten die dortige Lage sehr genau und stünden mit den örtlichen Behörden in Kontakt, sagte ein Außenamtssprecher. Gegebenenfalls werde man reagieren. Reisewarnungen sind jedoch sehr selten. Ausschlaggebend wäre eine akute Gefahr für Leib und Leben deutscher Staatsbürger. In Mexiko leben laut Auswärtigem Amt (AA) etwa 15.000 Deutsche.
Der Flugbetrieb lief am Sonntag zunächst wie gehabt. Am größten deutschen Flughaften Frankfurt am Main landet am Nachmittag ein Flug aus Mexiko-Stadt. Besondere Vorkehrungen seien nicht getroffen worden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Es gebe Notfallpläne - gerade zur Infektionsabwehr. Sie träten aber erst auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Kraft. Das AA weist auf seinen Internetseiten auf den Ausbruch der Krankheit hin und empfiehlt Reisenden, “die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen”.
Auch am Airport in München ist man sensibilisiert. Flughafensprecher Florian Steuer sagte “Antenne Bayern”: “Sollte ein Fluggast oder ein Crewmitglied entsprechende Symptome zeigen, wird er gemäß eines mit den Gesundheitsbehörden abgestimmten Alarmplans vom Medizinischen Dienst betreut und in ein Krankenhaus gebracht.” Die erste Maschine aus Mexiko werde am Mittwoch in München erwartet, sagte der Sprecher.
